Die traurige Realität ist, dass Hitzestress tödlich sein kann. Mit dem richtigen Wissen können Sie Ihre Herde schützen, Verluste vermeiden und die Produktivität Ihres Milchviehbetriebs erhalten.
In Europa wird der Sommer meist mit Freude begrüßt. Was für Menschen angenehm ist, kann für Ihre Kühe jedoch unangenehm oder sogar gefährlich sein.
Hitzestress wirkt sich negativ auf die Konzeptionsrate, Fruchtbarkeit, Körperkondition und Milchleistung aus. Ohne entsprechende Maßnahmen kann Hitzestress sogar tödlich enden. Deshalb ist es für Ihren Betrieb entscheidend, zu wissen, wie Sie ihm vorbeugen können. Wenn die Temperaturen steigen, helfen Ihnen die folgenden Tipps dabei, Ihre Kühe kühl, ruhig und leistungsfähig zu halten.
Was ist Hitzestress?
Hitzestress entsteht, wenn Kühe zu viel Wärme aufnehmen und diese nicht mehr ausreichend abgeben können. Wie bei den meisten Säugetieren ist es wichtig, dass die Körperkerntemperatur einer Kuh zwischen 38,5 °C und 39,3 °C bleibt. Um dieses Gleichgewicht im Sommer aufrechtzuerhalten, geben Kühe überschüssige Wärme normalerweise nachts ab, wenn die Umgebungstemperatur sinkt.
Problematisch wird es, wenn die Nachttemperaturen hoch bleiben. In diesem Fall ist die notwendige nächtliche Abkühlung nicht möglich. Bereits drei aufeinanderfolgende Tage mit hohen Temperaturen können ausreichen, um Hitzestress auszulösen. Besonders gefährdet sind Kühe rund um die Kalbung, klinisch kranke Tiere sowie Tiere mit einer Vorgeschichte von Lungenentzündungen. Auch junge und ältere Tiere sowie dunkelhaarige Kühe reagieren empfindlicher auf Hitzestress.
Woran erkennen Sie Hitzestress?
Wie bei vielen Erkrankungen sind Verhaltensänderungen oft die ersten Warnsignale. Zu den anfänglichen Symptomen gehören eine erhöhte Atemfrequenz, gefolgt von Atmen mit offenem Maul und verstärktem Speicheln. Mit zunehmender Belastung können Zittern und Koordinationsstörungen auftreten.
Stufe 1
Erhöhte Atemfrequenz, Unruhe, geringe Bereitschaft, sich hinzulegen.
Stufe 2
Erhöhte Atemfrequenz, Unruhe, leichtes Speicheln, geringe Bereitschaft, sich hinzulegen.
Stufe 3
Erhöhte Atemfrequenz, Unruhe, starkes Speicheln oder Schaumbildung am Maul, geringe Bereitschaft, sich hinzulegen.
Stufe 4
Erhöhte Atemfrequenz, Atmen mit offenem Maul, mögliches Speicheln, geringe Bereitschaft, sich hinzulegen.
Stufe 5
Erhöhte Atemfrequenz, Unruhe, Atmen mit offenem Maul und herausgestreckter Zunge, mögliches Speicheln, geringe Bereitschaft, sich hinzulegen.
Stufe 6
Die Atemfrequenz nimmt ab, die Atmung wird jedoch deutlich angestrengter. Offenes Maul mit herausgestreckter Zunge, wenig oder kein Speicheln, Absonderung von der Herde.
Bei anhaltend hohen Temperaturen sollten Sie Ihre Tiere besonders aufmerksam beobachten. Hitzestress kann sich schnell entwickeln und in einen Hitzschlag übergehen, der einen tiermedizinischen Notfall darstellt.
Eine Kuh mit Hitzestress kann grundlegende Körperfunktionen wie Trinken und Stehen weiterhin aufrechterhalten. Wird sie ausreichend gekühlt, ist eine Erholung möglich. Eine Kuh mit Hitzschlag hingegen kann oft nicht mehr stehen und reagiert möglicherweise nicht mehr auf ihre Umgebung. Leider endet ein Hitzschlag häufig tödlich. Entscheidend ist deshalb ein frühzeitiges Eingreifen. Noch wichtiger ist jedoch die Vorbeugung.
7 Maßnahmen zur Vorbeugung von Hitzestress bei Milchkühen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Ihre Herde vor Hitzestress zu schützen. Einige lassen sich schnell umsetzen, andere erfordern etwas mehr Planung. Entscheidend ist, vorbereitet zu sein. Längere Hitzeperioden können erhebliche wirtschaftliche Folgen haben, wenn keine geeigneten Maßnahmen getroffen werden.
1. Stellen Sie ausreichend sauberes Trinkwasser bereit
Genau wie Menschen an heißen Tagen mehr trinken, steigt auch der Wasserbedarf von Kühen deutlich an. Installieren Sie zusätzliche Tränken, insbesondere in schattigen Bereichen und an den Ausgängen des Melkstands, da Kühe nach dem Melken besonders durstig sind.
Wenn möglich, sollten Metalltränken vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit das Wasser kühl bleibt. Sorgen Sie außerdem für ausreichende Wasserkapazitäten und kontrollieren Sie regelmäßig die Sauberkeit aller Wasserquellen.
2. Füttern Sie Ihre Kühe zu den kühleren Tageszeiten
Fressen erzeugt Wärme. Die Verdauung produziert Körperwärme, die einige Stunden nach der Futteraufnahme ihren Höhepunkt erreicht. Deshalb sollte die Hauptfütterung in Stallhaltung am späten Nachmittag oder frühen Abend erfolgen.
Wenn Ihre Kühe mehrmals täglich gefüttert werden, sollte der größte Teil der Tagesration am Abend angeboten werden. Weidende Kühe grasen bei hohen Temperaturen ohnehin bevorzugt in den frühen Morgenstunden und am Abend.
3. Wählen Sie die Futterkomponenten sorgfältig aus
Einige Futtermittel erhöhen die Wärmeproduktion während der Verdauung, andere wirken dem entgegen. Faserreiche Futtermittel erfordern mehr Kauarbeit und Verdauungsaufwand als energiehaltige Ergänzungsfuttermittel mit geringerem Fasergehalt und erzeugen pro Energieeinheit mehr Wärme.
Megalac und andere Fettprodukte dieser Produktreihe gelten als „kühle“ Inhaltsstoffe und werden von Fütterungsberatern und Landwirten eingesetzt, um die Leistung der Kühe während Hitzeperioden zu unterstützen. Diese Fettquellen werden nicht im Pansen fermentiert. Dadurch erhalten die Tiere eine energiereiche Futterquelle, ohne dass die zusätzliche Wärme entsteht, die bei anderen Nährstoffquellen während der Fermentation produziert wird.
Darüber hinaus ist Megalac besonders pansenfreundlich. Die bei Hitzestress häufig auftretende verringerte Trockenmasseaufnahme sowie verstärktes Speicheln reduzieren die Verfügbarkeit von Speichel im Pansen. Dadurch kann der pH-Wert aus dem Gleichgewicht geraten und das Risiko einer Pansenazidose steigen.
4. Melken Sie möglichst morgens und abends
Vermeiden Sie, dass Ihre Kühe während der heißesten Tageszeit lange Wege zurücklegen müssen. Ebenso sollten sie nicht in engen Bereichen zusammenstehen, wenn die Sonne am stärksten scheint.
Verlegen Sie die Melkzeiten möglichst in die frühen Morgenstunden sowie in den späten Nachmittag oder frühen Abend, wenn die Temperaturen niedriger sind.
5. Verbessern Sie die Luftzirkulation im Stall
Kühe geben Wärme hauptsächlich durch Atmung und Schwitzen ab. Die dabei entstehende Feuchtigkeit muss jedoch aus dem Stall abgeführt werden, da eine hohe Luftfeuchtigkeit schnell zu Problemen führen kann.
Eine kostengünstige Möglichkeit zur Verbesserung der Belüftung kann das Öffnen des Dachfirsts sein. Lassen Sie sich hierzu von Fachleuten beraten. Eine bessere Luftzirkulation reduziert die Luftfeuchtigkeit und erleichtert den Feuchtigkeitsabtransport.
6. Nutzen Sie Sprüh- und Vernebelungssysteme mit Bedacht
Vernebelungssysteme funktionieren nur dann effektiv, wenn auf Tierhöhe ausreichend Luftbewegung vorhanden ist und die Feuchtigkeit aus dem Stall entweichen kann. Dies ist insbesondere in Gebäuden mit hohen Traufen nicht immer gewährleistet.
Kann die Feuchtigkeit nicht entweichen, steigt lediglich die Luftfeuchtigkeit im Stall. Dies begünstigt Feuchtigkeitsschäden sowie Erkrankungen und erhöht das Mastitisrisiko. Sprüh- und Vernebelungssysteme können sinnvoll sein, sofern eine ausreichende Luftzirkulation gewährleistet ist. Denken Sie jedoch an einen Notfallplan für den Fall eines Strom- oder Wasserausfalls.
7. Nutzen Sie Schatten im Freien optimal
Wenn Ihre Herde auf der Weide gehalten wird, sollten Sie Weideflächen mit Hecken und Bäumen bevorzugen, die natürlichen Schatten bieten.
Achten Sie jedoch darauf, dass nicht die gesamte Herde unter einem einzelnen Baum zusammensteht. Dies kann problematischer sein als gar kein Schatten. An besonders heißen Tagen kann es sinnvoller sein, die Tiere tagsüber in einem gut belüfteten Stall zu halten und sie erst am Abend auf die Weide zu lassen.
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